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"Lesemusikzimmer" mit Slut und Juli Zeh

Als grenzgängerische Performance kann beschrieben werden, was Slut und Juli Zeh auf der Leipziger Buchmesse im Rahmen des "Lesemusikzimmers" präsentiert haben. "Lesemusikzimmer", das ist eine Reihe, in der junge Literatur mit junger Musik zusammengebracht wird, um sich zu ergänzen, Rollentausch zu begehen, sich gegenseitig zu interpretieren und zu untermalen. In diesem Fall: Corpus Delicti - StillNo1.

"Corpus Delicti" heißt der neue Roman von Juli Zeh, die darin ein düsteres Diktaturszenario entwirft, in dem die Gesundheit höchste Bürgerpflicht ist. Vergleiche zu George Orwell ließen nicht lange auf sich warten. Die Idee zum Buch entstand durch Zehs Beobachtung, dass dem Körper seit einigen Jahren mehr Konzentration als dem Geist geschenkt wird. Vielleicht sogar eine gewissen Entkoppelung stattfindet, die dem sinnlichen Erfahren nicht zuträglich ist. Ein sehr viele Sinne ansprechendes Projekt aber wurde das Lesemusikzimmer: ein Klangbild des Buches, eine Idee, wie der Konflikt zwischen Gemeinwohl und individueller Freiheit klingen kann und wie ein Science-Fiction-Krimi als musikalisches Hörspiel funktioniert. Slut fungierten als Komponisten und Arrangeure im Projekt. Einzelne Sätze wurden als Impulse für instrumentals aufgegriffen, Stimmungen aus dem Roman wurden zu Leitmotiven und sphärische Klänge verdrängten klassische Songstrukturen. Das Buch als Klangbild.
Neben den Text-Musik-Verschmelzungen war es der Videokünstler Anton Kaun, der dem Projekt eine dritte Sinnesdimension hinzufügte.

Als Mischung aus Lesung, Theater und Hörspiel haben Juli Zeh und Slut das Konzept beschrieben, und weil es letztlich noch viel mehr war und die Publikumsreaktionen überwältigend waren, soll dieses spezielle Lesemusikzimmer fortgesetzt werden.


Mehr Infos und aktuelle Informationen unter:
www.slut-music.de

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Eingetragen am 24.03.2009 14:20 Uhr von xhoch4
Kategorie: kultur | Tags: slut, literatur, video